Was versteht man unter drückendem Wasser?
Drückendes Wasser liegt vor, wenn das Wasser im Erdreich so hoch steht, dass es mit Druck auf die Kellerwände und Bodenplatten einwirkt. Typische Situationen sind:
- Häuser in Hanglage oder in Gebieten mit hohem Grundwasserstand
- Überschwemmungsgebiete
- nach starken Regenfällen, wenn das Wasser nicht schnell genug abfließen kann
Technische Herausforderungen
- Materialanforderungen: Abdichtungen müssen dauerhaft wasserdicht, flexibel und rissüberbrückend sein. Nur so können sie den wechselnden Belastungen standhalten.
- Planungssicherheit: Die exakte Kenntnis der Wassereinwirkung und des Bodenaufbaus ist Pflicht. Fehler in der Einschätzung können zu Folgeschäden führen.
- Anschlusspunkte: Durchdringungen, Fugen und Übergänge sind besonders kritisch. Schon kleinste Undichtigkeiten führen zu Wassereintritt.
Grenzen von Abdichtungssystemen
| Innenabdichtung | Außenabdichtung |
|---|---|
| Bei drückendem Wasser zum Zeitpunkt der Applikation müssen gegebenenfalls weitere Maßnahmen wie eine Grundwasserabsenkung durchgeführt werden. Nach Austrocknung des Abdichtungssystem hält die Innenabdichtung auch Druckwasser stand. | Bei drückendem Wasser ist eine mehrschichtige, flexible Außenabdichtung mit Anschluss an eine wasserundurchlässige Betonbodenplatte erforderlich. |
Falsche Materialwahl
Nicht jedes Abdichtungssystem ist für drückendes Wasser geeignet. Die Auswahl muss sich nach den Vorgaben der DIN 18533 und der WTA-Merkblätter richten.
Normen und Regelwerke
- DIN 18533:
Gibt die Planung und Abdichtungsbauweisen für Abdichtungen im Neubau an. - WTA-Merkblätter:
Gibt die Planung und Abdichtungsbauweisen für Abdichtungen in der Sanierung an.
Risiken bei Fehlern
- Wassereintritt:
Schon kleine Schwachstellen können zu massiven Schäden und Schimmelbefall führen. - Statische Probleme:
Dauerhafte Durchfeuchtung kann die Tragfähigkeit von feuchtesensiblen Bauteilen wie z.B. Stahlträger gefährden.
Zusammenfassung Abdichten bei drückendem Wasser
Bei drückendem Wasser ist die Wahl des richtigen Systems und eine exakte Planung entscheidend. Fehler führen zu gravierenden Schäden und hohen Folgekosten.
Dipl.-Ing. (FH)
Thomas Molitor
Stellv. Technischer Leiter
Über den Autor
Thomas Molitor ist Dipl.-Ing. (FH) Bauingenieur und Fachautor im ISOTEC-Umfeld. Als Fachbuchautor und Referent steht er für technisch präzise, praxisorientierte Inhalte rund um den Bautenschutz. Darüber hinaus wirkt er an technischen Regelwerken mit und übersetzt Anforderungen und Standards in klare, belastbare Empfehlungen für Ratgeberbeiträge.
Schwerpunkte:
- Bauwerksdiagnostik & Ursachenanalyse
- Abdichtung & Sanierungslösungen
- Bauphysik (Feuchte- und Raumklima)
- Technische Dokumentation & Qualitätssicherung
FAQs Drückendes Wasser
Welche Abdichtungsarten sind bei drückendem Wasser sinnvoll?
Bewährt haben sich flexible, mehrschichtige Abdichtungssysteme in Kombination mit einer wasserundurchlässigen Betonbodenplatte.
Wann ist eine Außenabdichtung notwendig?
Bei dauerhaft drückendem Wasser ist eine mehrschichtige, flexible Außenabdichtung sinnvoll. Wichtig ist dabei ein sicherer Anschluss an eine wasserundurchlässige Betonbodenplatte.
Welche Risiken entstehen durch eine falsche Materialwahl?
Nicht geeignete Materialien können dem Wasserdruck nicht standhalten und versagen frühzeitig. Dies führt häufig zu teuren Folgeschäden und erneuten Sanierungsmaßnahmen.
Was passiert, wenn die Abdichtung bei drückendem Wasser versagt?
Es kann zu massiven Feuchteschäden und Schimmelbildung kommen.