Typische Einsatzszenarien
Innenabdichtungen kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Außenwand nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zugänglich ist. Das betrifft beispielsweise:
- Reihenhäuser, bei denen Nachbargebäude direkt angrenzen
- Grundstücke mit aufwändig gestalteten Außenanlagen, die erhalten bleiben sollen
- Wenn die erdberührten Wandflächen von außen überbaut sind. (z.B. Garage)
- Situationen, in denen eine schnelle und kostengünstige Lösung gefragt ist, etwa bei nachträglicher Nutzung von Kellerräumen
Vorteile der Innenabdichtung
- Kein Aushub nötig: Anders als bei der Außenabdichtung muss das Erdreich nicht ausgehoben werden. Das bedeutet: Garten, Terrasse und Wege bleiben erhalten, Nachbargrundstücke werden nicht beeinträchtigt, und es gibt keine aufwendigen Erdarbeiten.
- Schnelle Umsetzung: Innenabdichtungen können unabhängig von der Witterung und zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. Die Arbeiten finden im Gebäude statt und beeinträchtigen den Alltag der Bewohner in der Regel nur wenig.
- Kosteneffizienz: Für viele Sanierungsfälle ist die Innenabdichtung eine wirtschaftlich attraktive Lösung. Die Kosten sind meist niedriger als bei einer umfassenden Außensanierung, und die Bauzeit ist kürzer.
Grenzen und Risiken
| Feuchte bleibt im Bauteil | Fachgerechte Ausführung ist Pflicht |
|---|---|
| Die Innenabdichtung stoppt die Feuchtigkeit an der Oberfläche zur Innenraumseite – das Mauerwerk selbst bleibt weiterhin feucht. Sollten von innen abgedichtete Räume hochwertig genutzt werden, sind zusätzliche Maßnahmen wie eine Innendämmung und ggf. eine Lüftungsanlage zu berücksichtigen. | Fehler bei der Untergrundvorbereitung, Materialauswahl oder Verarbeitung führen schnell zu Schäden und Undichtigkeiten. Besonders akribisch sind Anschlüsse an den Boden und Durchdringungen zu planen uns auszuführen. |
Technische Anforderungen
- Untergrundvorbereitung:
Abbröckelende Farbe , maroder Putz und lose Teile müssen entfernt werden, damit das Abdichtungssystem dauerhaft funktioniert. - Mehrschichtiger Aufbau:
Innenabdichtungen bestehen meist aus mehreren Schichten – z.B. Dichtungsschlämmen, Sperrputzen und ggf. Sanierputz. - Detailgenauigkeit:
Anschlüsse, Ecken und Durchdringungen müssen besonders sorgfältig behandelt werden.
Wann ist die Innenabdichtung eine echte Option?
Eine Innenabdichtung ist sinnvoll, wenn:
- die Außenwand nicht zugänglich ist
- eine schnelle, kostengünstige Lösung gefragt ist
- die Maßnahme in den Wintermonaten ausgeführt werden soll
Die Innenabdichtung kann eine praktikable Lösung sein – aber nur nach gründlicher Analyse und unter Berücksichtigung der geplanten Nutzung.
Dipl.-Ing.
Jörg Bogs
Technischer Leiter
Über den Autor
Jörg Bogs ist Diplom-Ingenieur und ausgewiesener Experte für Bauwerksabdichtung sowie die nachträgliche Abdichtung erdberührter Bauteile. Seit 2003 ist er bei der ISOTEC GmbH tätig, heute als Technischer Leiter und Prokurist. In dieser Funktion verantwortet er die technische Qualitätssicherung, die Produkt- und Sortimentsentwicklung sowie die Betreuung und Ausbildung der ISOTEC-Fachbetriebe. Er leitet das WTA-Referat 4 „Bauwerksabdichtung“ und ist Schriftführer der WTA-Arbeitsgruppe 4-6 („Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“); zudem ist er Mitautor zahlreicher WTA-Merkblätter. Als stellvertretender Fachbereichsleiter Bautenschutz im DHBV verbindet er Regelwerksarbeit mit praxistauglichen Standards. Ein weiterer Fokus liegt in der Aus- und Weiterbildung im Holz- und Bautenschutz. Als Referent und Autor, unter anderem bei den Aachener Bausachverständigentagen, vermittelt er Abdichtungsthemen klar, prüfbar und anwendungsnah.
Schwerpunkte:
- Bauwerksabdichtung und Sanierung feuchtebelasteter Bauteile
- Leitung WTA Referat 4 - Bauwerksabdichtung
- Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile (WTA AG 4-6)
- Technische Qualitätssicherung, Prüf- und Bewertungsansätze
- Forschung & Entwicklung, Produkt- und Sortimentsentwicklung
- Betreuung, Aus- und Weiterbildung von Fachbetrieben (Holz- und Bautenschutz)
- Regelwerks- und Merkblattarbeit (WTA, DHBV) sowie Fachvorträge/Fachpublikationen
FAQs Eignung einer Innenabdichtung
Welche typischen Einsatzszenarien sprechen für eine Innenabdichtung?
Sie eignet sich besonders für Reihenhäuser, überbaute Außenwände oder Grundstücke mit empfindlichen Außenanlagen. Auch bei nachträglicher Kellernutzung ist sie oft die praktikabelste Lösung.
Wie erkenne ich, ob mein Keller für eine Innenabdichtung geeignet ist?
Eine individuelle Analyse durch einen Fachmann gibt Aufschluss über die Eignung und die zu erwartende Wirksamkeit.
Wann sollte man von einer Innenabdichtung absehen?
Wenn die Kellerwand aus feuchtesensiblen Baustoffen wie Porenbeton oder Holzschalungssteinen besteht, ist eine Innenabdichtung nicht möglich. In solchen Fällen muss ein alternatives Abdichtungskonzept gewählt werden.
Welche Vorteile bietet eine Innenabdichtung gegenüber einer Außenabdichtung?
Sie kommt ohne Aushub aus, verursacht weniger Eingriffe in die Außenanlagen und kann zu jeder Jahreszeit ausgeführt werden. Die Umsetzung erfolgt schnell und meist kostengünstiger als eine Außenabdichtung. Außerdem sieht der Keller nach einer Innenabdichtungsmaßnahme wieder hochwertig aus.